10. Tag – Donnerstag, 16.06.05
 

Der zehnte Tag beginnt wie immer: An einem reichlich gedeckten Frühstückstisch. Gestärkt geht es dann zuerst noch einmal zur Leuchtfeuerstation Tranoy, denn nur morgens bietet sich hier dieses atemberaubende Panorama mit dem Leuchtturm und den schneebedeckten Gipfeln der Lofotenwand am Horizont.
 

 Leuchtfeuerstation Tranoy
 

Im besten Sonnenlicht wollen wir gegen Mittag die Fähre von Skutvik, dem Tor zu den Lofoten, nach Svolvaer nehmen. Natürlich Im Hafen Skutvikbesteht bereits ab dem Ort Bodo (weiter südlich) die Möglichkeit eine Fähre zu den Lofoten zu nehmen, doch aus Kostengründen wählten wir Skutvik. Die ursprünglich geplante Fähre um 12:30 Uhr fällt aufgrund eines technischen Defekts aus, weshalb wir uns auf eine weitere Stunde Wartezeit einstellen müssen. Wir nutzen die Zeit zu einem Rundgang in diesem kleinen, verschlafenen Ort. Hier kann man sich auch in einem kleinen Restaurant bzw. einem kleinen Supermarkt die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre vertreiben. Da uns immer noch etwas Zeit bleibt bereitet uns Oliver eine schnelle Mittagsmahlzeit zu. Mittlerweile haben sich die Wartespuren des Fähranlegers komplett gefüllt. Wie mag das nur in der Hochsaison sein?? Während der ÜberfahrtGegen 13:30 Uhr läuft dann endlich das in den Farben der Hurtigruten lackierte Fährschiff ein. Die Beladung verläuft sehr zügig und professionell, so dass wir bereits kurz darauf Skutvik hinter uns lassen. Wir begeben uns bei diesem traumhaften Wetter direkt auf das Außendeck, auf dem sich schon einige Passagiere einen windgeschützten Platz zum Sonnen mit herrlicher Aussicht ergattert haben. Auf der sehr ruhigen Überfahrt nähert sich nun die noch am Morgen bewunderte Lofotenwand, die bis zu 1.000m fast senkrecht aus dem Wasser ragt. Nach etwa 45 Minuten Fahrzeit ist ein bewundernswertes Schauspiel zu beobachten: Nahezu die kompletten Fahrgäste stürmen auf die Backbordseite der Fähre. Dies macht uns natürlich auch neugierig und schon sehen wir den rot-weiß lackierten Leuchtturm, welcher den Weg nach Skrova, einer kleinen vorgelagerten Insel des Archipel, weist. Auf den Felsen verteilt stehen die kleinen bunten Häuschen dieses Fischerdorfs:
 

Insel Skrova


Dies ist zugleich die einzigste Zwischenstation der Fähre. Überall hört man nun das Klicken der Fotoapparate und das Summen der Videokameras. Noch nie zuvor hatten auch unsere Spiegel der Reflexkameras eine solch Weg nach Henningsvaerschnelle Auslösefolge zu bewältigen. Auch hatte Oliver noch nie in solch kurzer Zeit einen Film gewechselt. Nachdem wir Skrova hinter uns gelassen haben, scheint die Gebirgskulisse der Lofoten, unserem eigentlichen Reiseziel, nun zum Greifen nahe. Ehe wir uns versehen, laufen wir in der Hauptstadt
Svolvaer ein. Der Stadt selbst schenken wir keine besondere Aufmerksamkeit und biegen direkt nach links auf die E 10 Richtung A ein. Im weiteren Verlauf orientieren wir uns an dem von Reinhard Schulz herausgegebenen Reiseführer „Mit dem Wohnmobil nach Nord-Norwegen“. Nach zahlreichen Fotostopps erreichen wir Rorvik, von wo aus wir der Straße 816 nach Henningsvaer folgen. Schon die Anfahrt entlang der schmalen Uferstraße lohnt den Umweg. Bei gutem Wetter hat man das Gefühl, nicht etwa nördlich des Polarkreises zu sein, sondern eher in weitaus südlicheren Gefilden zu reisen. Das klare, türkis-blaue Wasser und der gold-gelbe Sandstrand in einsamen Buchten laden zu einem Bad im Nordmeer ein. Einen Besuch dieser gemütlichen Hafenstadt sollte man sich auch deswegen nicht entgehen lassen, da sie nicht umsonst den Beinamen „Venedig der Lofoten“ trägt. Eines der beliebtesten Fotomotive der 600 Einwohner Stadt ist der Hafen.


Weg nach Henningsvaer


Langsam wird es Abend und da wir uns noch auf der Ostseite des Archipel befinden, machen wir uns auf den Weg zur Westküste, um uns rechtzeitig einen geeigneten Stellplatz zur Beobachtung der Mitternachtssonne zu sichern. Bei
Borg verlassen wir die E 10 und folgen den Wegweisern nach Eggum.
Ort EggumIn Eggum folgt man der Hauptstraße und gelangt schließlich vorbei an einer Infotafel und einem Mautkasten (20 NOK) zu einem der schönsten Mitternachtssonnen - Beobachtungsplätze Norwegens. Auf dem Gelände steht auf einer Anhöhe ein aus Natursteinen gemauerter Rundbau, welcher zu Zeiten des zweiten Weltkriegs als Radarstation diente. Hier haben sich schon erste Beobachter der Mitternachtssonne eingefunden, welche mit Kamera und Stativ dieses Naturschauspiel verewigen wollen. Wir jedoch entschließen uns zunächst zu einer Wanderung in den Ort Eggum, um einige der bunten Häuschen im warmen Abendlicht zu fotografieren. Den Rückweg wählen wir am einsamen, weißen Sandstrand entlang zu unserem Wohnmobil. Nach kurzer Stärkung und um einen besonders schönen und einsamen Beobachtungsplatz zu ergattern brechen wir zu einer Wanderung zum Eggumer Leuchtturm auf. Der zunächst gut begehbare Wanderweg führt vorbei an einem kleinen See, in dem sich die dahinter liegenden Berge spiegeln. Einige Schafe weiden zufrieden in der Stille dieser unberührten Natur. Es fällt uns an dieser Stelle schwer, die erlebten Momente, dieses besondere Licht und unser Empfinden in Worte zu fassen. Man sollte dies einfach nur genießen!
 

Getrübt wird die Stimmung nur durch den immer schwieriger begehbaren, mittlerweile sich zu einem schlechten Trampelpfad entwickelnden Weg zum Leuchtturm. Immer öfter müssen kleinere Bäche und sumpfige Wiesen überquert werden. Zur Rückkehr gezwungen werden wir schließlich, als man nur noch von Fels zu Fels durch einen tiefen Graben klettern kann. Wieder zurück, packen auch wir unsere Campingstühle aus und lassen bei einer Flasche Wein unten am Strand einen unvergesslichen Tag zu Ende gehen.
 

Mitternachtsonne am Strand von Eggum

 

Zurück Nach oben Weiter

Oliver Hahn & Thomas Jung
Copyright © 2005 - 2006
All rights reserved

Alle Bilder und Texte unterliegen dem Urheberrecht.